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Convoco Forum 2016

31/07/2016

Das Convoco Forum 2016 zum Thema "Autorität im Wandel" war ein großer Erfolg. Hier einige Statements.

Prof. Dr. Clemens Fuest:
Autorität als bloße Machtausübung über andere, ohne deren Zustimmung, sollte in freiheitlichen, demokratisch verfassten Gesellschaften keinen Platz mehr haben. [...] Da so verstandene Autorität auf Zustimmung und Akzeptanz aller Beteiligten beruht, ist nicht überraschend, dass sie sich im Lauf der Zeit verändert und dass sie fragil ist. [...] Viele sehen in aktuellen politischen Entscheidungen wie dem Brexit- Referendum oder der Nominierung von Donald Trump zum US-Präsidentschaftskandidaten einen beunruhigenden Verfall der Autorität bewährter politischer Kräfte. Man kann aber auch die Auffassung vertreten, dass die etablierten Parteien sich zu weit von den Wünschen der Bevölkerung entfernt haben. Wenn sie ihr Verhalten ändern, haben sie die Chance, ihre Autorität wiederzugewinnen.

Prof. Dr. Rudolf Mellinghoff:
Gegenwärtig stehen die Staaten vor gewaltigen Herausforderungen, u. a. durch die globalen Veränderungen auf den Finanzmärkten und die enormen Wanderungsbewegungen aufgrund von Kriegen, autoritären Regimen und Klimaveränderungen. Mehr denn je brauchen wir Autoritäten, die aufgrund herausragender Tugenden und überlegenem Wissen die Anerkennung der Menschen in unserer Gesellschaft gewinnen. Das Vertrauen in diese Autoritäten ist Grundlage für die Bewältigung von Problemen und stärkt zugleich die für das Zusammenleben erforderlichen Institutionen.

Unsere Autoritäten sollten in der Lage und willens sein, komplexe Sachverhalte zu erklären. Ich sehe eine der wichtigsten Aufgaben für Autoritäten darin, durch Erklärung Richtung zu geben und damit zu führen.

Dr. Corinne M. Flick

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Schön:
Ein funktionierendes Gemeinwesen verlangt nach Respekt vor der Autorität von Institutionen – den Parlamenten, den Gerichten, der Wissenschaft. Doch darf der Respekt den freien Diskurs der Argumente nicht lähmen. Der aktuelle Siegeszug autoritärer Persönlichkeiten führt in die falsche Richtung.

Prof. Jörg Rocholl, Ph.D.:
Das Thema „Autorität im Wandel“ erfährt durch das Brexit-Referendum eine hohe aktuelle Relevanz, denn es stellen sich grundsätzliche Fragen nach der Zukunft GBs und der EU. Aber auch andere Aspekte wie das Vertrauen in politische Prozesse und deren Akteure bis hin zur Verlässlichkeit demografischer und ökonomischer Prognosen sind durch das Referendum auf den Prüfstand gestellt worden.

Prof. Dr. Albrecht Ritschl:
Der Ausgang von GBs Referendum reflektiert eine Autoritätskrise der europäischen Institutionen. Er ist aber auch eine Autoritäts- und Verfassungskrise des britischen Staatswesens, dessen Institutionen vom Abstimmungsergebnis unvorbereitet getroffen worden sind. Wird GB diese Krise meistern? Die EU kann in dieser Doppelkrise neue Autorität gewinnen, wenn sie mit Umsicht handelt und die Tür für eine künftige Rückkehr nicht zuschlägt. Deutschlands Autorität ist im kommenden Verhandlungsprozess unentbehrlicher denn je.

Dr. Nikolaus von Bomhard:
Der Autoritätsverlust trifft nicht nur die Kommission, sondern alle Institutionen auf ihre eigene Art und Weise. Der entscheidende Impuls muss aus den Nationalstaaten kommen. Es muss jemand den Mut haben, die Axt an Europa anzulegen, und den Mut haben wenige. Und hier braucht es nicht einen, sondern mindestens drei Politiker aus relevanten Ländern.

Prof. Dr. h.c. Roland Berger:
Jedes europäische Mitgliedsland setzt die Priorität zunächst auf das Schicksal der eigenen Nation. Deswegen müssen die Nationalregierungen sich jetzt zusammensetzen zu einem neuen Wiener Kongress und überlegen, wie es in Europa weitergeht. Dies erfordert Zeit. [...] Wenn es politisch machbar wäre, sollten wir ein Jahr Pause machen und dieses Jahr nutzen um zu überlegen, welche Entscheidungen in Brüssel je gefallen sind, die man heute besser in die Subsidiarität zurückverlagern sollte.

Prof. Dr. Christoph Paulus, LL.M. (Berkeley):
Während das Recht als Imperativ und als Leitlinie für alle zukünftigen Fälle verstanden werden soll, passt sich die Politik an die Bedürfnisse des Tages an. Wenn Gesetze so formuliert werden, dass ein Handeln entgegen der erklärten Intention möglich ist, orientiert sich das Recht an den Notwendigkeiten der Politik und droht, seine Autorität zu verlieren. Damit verliert es zugleich eine seiner wertvollsten Eigenschaften, nämlich die Antizipierbarkeit bestimmter Ergebnisse.

Prof. Dr. Thomas Hoeren:
Transformation von Autorität ist eng verbunden mit den Wandlungen der digitalen Gesellschaft. Techniken wie Blockchain und Smart Contracts nähren gerade bei den Digital Natives die Hoffnung, dass man eines Tages weitgehend ohne Staat, nur mithilfe der Crowd-Intelligenz und der Herrschaft cleverer Algorithmen Transaktionen blitzschnell ohne nationale Grenzen durchführen kann. CONVOCO brachte insofern Vertreter der alten Autoritätsstrukturen und die jungen Kryptowilden zu einem weltweit einzigartigen, hochspannenden Dialog zusammen.

Dr. Peter Maurer, Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz:
When authorities fail, power fragments and violence spurs, the consequences on people, economies, societies and political dynamics are massive and often go beyond national and regional impact. What we encounter in today’s conflicts is no longer just a temporary, localized disruption of lives and livelihoods. The impact of the breakdown of functioning authorities is: systemic, long-term, contagious. It is felt regionally and globally.