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Mythen, Irrtümer und Denkfehler

18/10/2016

A reliable way to make people believe in falsehoods is frequent repetition, because familiarity is not easily distinguished from truth. Authoritarian institutions and marketers have always known this fact.

Daniel Kahneman, Thinking, Fast and Slow, 2011

Der Mythos der wachsenden Ungleichheit
Bei einem Vergleich der Ungleichhheit der Bruttoeinkommen unter 20 OECD-Ländern nimmt Deutschland Rang 17 ein. Aber wichtiger als ein Blick auf die Markteinkommen ist der Blick auf die verfügbaren Einkommen - also die Einkommen abzüglich der gezahlten Steuern und der Sozialversicherung und zuzüglich der empfangenen Transfers. Vergleicht man die Ungleichheit der Nettoeinkommen, rückt Dtl. auf Rang 7 vor. Vgl. CLEMENS FUEST und RAINER KIRCHDÖRFER, Die ZEIT, 29.09.2016

Die hohe Umverteilung bewirkt eine hohe Ungleichheit der Bruttoeinkommen:
Die starke Umverteilung in Ländern wie Deutschland beeinflusst das Markteinkommen. Um hoch qualifizierte Fachleute einzustellen, muss ein Unternehmen ein mit anderen Ländern vergleichbares Nettoeinkommen zahlen. Die hohen Einkommenssteuern führen dazu, dass der Bruttolohn entsprechend höher ist. Vgl. CLEMENS FUEST und RAINER KIRCHDÖRFER

Mythos: Aufgrund der niedrigen Geburtenrate gibt es immer mehr Rentner in Deutschland
Die Zahl der Erwerbstätigen liegt momentan auf Rekordniveau und das nicht nur wegen der verstärkten Erwerbstätigkeit von Frauen oder der Einwanderung. Auch das Verhältnis von Menschen im erwerbsfähigen Alter zu älteren und jüngeren Personen ist heute günstiger als z.B. 1970. Grund hierfür ist, dass ein Geburtenrückgang den Anteil der Erwerbsunfähigen zunächst verkleinert. HANNES WEBER, FAZ, 10.10.2016

Mythos: Durch Einwanderung wird der demografische Wandel bewältigt
Das scheinbar einfachste Mittel gegen Überalterung und Geburtenrückgang ist Zuzug von außen. Der rein demografische Effekt der Einwanderung auf den Anteil erwerbsfähiger Personen der Gesamtgesellschaft ist jedoch eher gering. Zusätzliche Erwerbsfähige werden später auch zusätzliche Rentner, wodurch in Zukunft zum Ausgleich dieses Anstiegs noch mehr Einwanderer benötigt würden. HANNES WEBER, FAZ, 10.10.2016

Mythos: Immigration stärkt die Wirtschaft
Ob zukünftig noch Millionen niederqualifizierte Arbeitskräfte benötigt werden, ist fraglich. Digitalisierung und Automatisierung werden zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen führen. Vorhersagen darüber, dass aufgrund des demografischen Wandels Millionen Arbeitskräfte fehlen werden, sind daher reine Spekulation.

"Ich glaube nicht, dass die Flüchtlinge sich positiv auf unsere Wirtschaft auswirken werden – die Digitalisierung wird unser demografisches Problem auf den Arbeitsmärkten schneller lösen, als uns lieb ist." BURKHARD SCHWENKER, Chairman of the Advisory Council of Roland Berger

Konrad Adenauers historischer Irrtum "Kinder kriegen die Leute immer" wirkt noch heute fort
Bei der Reform der Altersversorgung 1957 weigerte sich Adenauer, einen demografischen Faktor in die Rentenberechnung einzuführen. Er wischte die Einwände beiseite mit dem Satz: "Kinder kriegen die Leute immer."