BLOGCONVOCO! Council Leseempfehlungen

The 100-Year Life: Living and Working in an Age of Longevity
Lynda Gratton und Andrew J. Scott
Die Stunde der Raubtiere – Macht und Gewalt der neuen Fürsten
Giuliano da Empoli

Ich habe sehr „historische” Empfehlungen:
Buddenbrooks
Thomas Mann
Extrem unterhaltsam und – man bedenke, er hat den Roman im Alter von 22 Jahren geschrieben – meisterhaft erzählt. Die tiefgründige Beschreibung über den Konflikt zwischen gesellschaftspolitischer Pflicht einerseits und persönlichem Lebensglück mit dem Hang zur Dekadenz andererseits lassen den Roman zeitloser und aktueller denn je erscheinen, gerade auch im Kontext vieler Convoco-Themenstellungen.
Das Haus am Rande der Welt
Henry Beston
Ein Klassiker des Nature Writing, erstmal 1928 veröffentlicht. Die wunderbar kontemplative Beschreibung über ein ganzes Jahr, das der Autor als junger Mann in einem kleinen Holzhaus am Meer inmitten der unberührten Natur auf Cape Cod verbringt.
Reihe über den Inspector Alan Grant
Josephine Tey
Ebenfalls in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden, gilt auch hier in dem gesellschaftspolitischen Bezug eine unverändert großartige Aktualität. Psychologisch sehr intelligent, atmosphärisch sehr elegant, mit viel Empathie und Ruhe erzählt.

1929 – Inside the Greatest Crash
Andrew Ross Sorkin
Eine spannende Geschichte über die Hauptakteure der Weltwirtschaftskrise, die Vermengung von Finanzinteressen sowie Politik und Privatsektor erinnert allzu oft an die heutige USA.
Die Welt von Gestern
Stefan Zweig
Sehr genossen habe ich es als Hörbuch.

Unter Tieren
Elfriede Jelinek
Wer geglaubt hat, dass die Kapitalismusdebatte zum Erliegen gekommen ist, hat sich getäuscht. Elfriede Jelinek hat mit ihrem neuesten Buch die Debatte nochmals kräftig akzentuiert, und man muss sich mit dem Inhalt ihrer Kritik, vor allem auch am Finanzsystem, auseinandersetzen – ob man es mag oder nicht.
Wer sind wir? Deutschland auf der Suche nach seiner Identität
Joschka Fischer
Eine brillante Analyse zur Standortbestimmung Deutschlands. Mutig klar und letztlich auch positiv im Hinblick auf unsere Stärken, in Ansätzen ein Plädoyer gegen Pessimismus.
„Zwei Menschen sind in mir”
Andrea Stoll
Die beste Biografie über Ingeborg Bachmann. Es ist ein großer Beitrag zum Verständnis einer der markantesten Schriftstellerinnen in Europa. Vor allem die Darstellung ihres Lebens in den ersten Nazi-Jahren ist beeindruckend. Auch ein großes Stück Familiengeschichte.
Die Unterschätzten – Warum sich unsere Zukunft auf dem Land entscheidet
Andreas Möller
Eine gute Darstellung für diejenigen, die in der Stadt leben und bei denen die Bedeutung des Landlebens zu kurz kommt. Für die Menschen auf dem Lande eine Aufforderung zu wachsendem Selbstbewusstsein. Sehr gesellschaftskritisch und lesenswert.

Handorakel und Kunst der Weltklugheit
Baltasar Gracián (in der Übersetzung von Schopenhauer)
Ich bin ein konservativer Mensch, daher liebe ich dieses Buch. Es wirft ein besonderes Licht auf das Leben in seiner Gesamtheit, um „Fallstricke zu vermeiden und erfolgreich zu sein“.
Max Reinhardt in Leopoldskron
Gusti Adler mit einer Einführung von Helga Rabl-Stadler
Fräulein Gusti Adler, die Privatsekretärin Max Reinhardts, war die engste Mitarbeiterin dieses großen Gründervaters der Salzburger Festspiele. Ein interessantes und amüsantes Muss mit unglaublich vielen Details für Freunde dieser Festspiele.
Die Wahlverwandtschaften
Johann Wolfgang von Goethe
Ottilie ist eine der bewegendsten Frauenfiguren in der deutschen Literatur durch den Konflikt zwischen Liebe und gesellschaftlich-moralischen Verpflichtungen.

Die Aosawa Morde
Riku Onda
Ich liebe das Werk von Riku Onda, habe Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen gelesen und war fasziniert von ihrer Technik, die die Grenzen von Gut und Böse verschwimmen lässt. Ihr wichtigstes Werk, die Aosawa Morde, ist noch dunkler und zieht den Leser aus wechselnden Perspektiven in diese Grauzone.
Vienna – How the City of Ideas Created the Modern World
Richard Cockett
Der Senior Editor des Economist, Richard Cockett, hat ein selbst für Wien-Kenner instruktives und erhellendes Buch geschrieben. Er zeigt, wie enorm das Wien der späten Habsburgerzeit bis zum „Anschluss“ das weltweite Zentrum der Moderne und der Wissenschaft war. Von der Physik, der Medizin und Biologie, über Psychologie bis zur Ökonomik, Architektur und Kunst. Er stellt überzeugend dar, wie Wissenschaftler wie Mach eine Gegenposition zur Metaphysik des deutschen Idealismus entwickelt haben. Hochinteressant ist auch die Darstellung des Einflusses österreichischer Emigranten in den USA und im Vereinigten Königreich.

Für mich gilt, was die große österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann (100. Geburtstag am 25.6.) in Malina schrieb: „Nein, ich nehme keine Drogen, ich nehme Bücher zu mir.“
Malina
Ingeborg Bachmann
Der Roman ist heute so aufwühlend wie 1971 bei seinem Erscheinen.
Im ersten Licht
Norbert Gstrein
Ein packender Roman über Krieg und Frieden, aber vor allem auch über die Kraft der Liebe, selbst wenn sie erst spät im Leben käme.
Eden – Wenn das Sterben beginnt
Marc Elsberg
Ein Thriller, mit dem uns Marc Elsberg wieder einmal auf eine Achterbahnfahrt in eine mögliche Zukunft nimmt, die uns schon heute betrifft.
Alle drei Bücher haben Suchtpotential.

Maschinen wie ich
Ian McEwan
2019 geschrieben, aus damaliger Sicht fast schon prophetisch im Hinblick auf KI, humanoide Roboter etc. Deswegen hochaktuell und zugleich spannend zu lesen.
Der Fürst und seine Erben
Peter Sloterdijk
Gerade erschienen, thematisch ebenfalls sehr aktuell und erhellend im Hinblick auf die derzeitigen Autokraten in der Welt.

Chimpanzee Politics: Power and Sex among Apes
Frans de Waal
The Infinity Machine: Demis Hassabis, DeepMind, and the Quest for Superintelligence
Sebastian Mallaby

