BLOGRelationship is all you need – ein Selbstversuch
1. In Kürze: Wie würden Sie das Verhältnis zu Ihrem Avatar charakterisieren?
Relationship is all you need. Diese Formel erweitert die Beziehungsfähigkeit auf das nichtmenschliche Gegenüber.
2. Wenn man sich durch einen Avatar ergänzt, kann man Verantwortung abgeben?
KI-Systeme können viele pädagogische Aufgaben erledigen, aber sie können (noch) keine Verantwortung übernehmen. Der Mensch bleibt Adressat von Kritik, Anerkennung und Rechtfertigung.
3. Verlieren Wissenschaftler durch die KI, insbesondere durch Avatare, ihre wissenschaftliche Autonomie?
Autorenschaft verlagert sich von der exklusiven Produktion hin zur reflexiven Kuratierung des eigenen Denkens. Entscheidend ist weniger, ob der Gedanke originär oder assistiert entstanden ist. Der kreative Sprung besteht darin, die Ideen auf neue Weise zu bewerten und weiterzuentwickeln. Die Kernleistung künftiger Autorenschaft liegt darin, das Verhältnis zum eigenen Denken zu verbessern. Wissenschaftliche Qualität entsteht durch die Fähigkeit, in einem Ping-Pong-Verhältnis mit der KI zu einem besseren Denken zu gelangen.
4. Wie verändert sich das menschliche Denken durch KI?
Das Denken wird mehrschichtiger. Der Avatar übernimmt kognitive Routinen und strukturiert Argumente; dadurch entstehen Raum und Zeit für Reflexion.
5. Wie verändert sich Lehre?
Menschliche Lehre und KI verstärken einander. Man könnte von einer Bildungsrevolution sprechen. Lehrende werden zu Gestaltern von Resonanzräumen, in denen Studierende kritische Fragen stellen, Irritationen erleben. Avatare hingegen bieten klassische Lernwege.
6. Welcher Entwicklungsauftrag an den Menschen geht mit KI einher?
KI zwingt uns, neu zu bestimmen, was Denken und Fühlen für uns bedeutet.
7. Wie soll man sich das Verhältnis zu einem Avatar vorstellen?
Ich trete in Beziehung zu einer Entität, die sozial wirksam und zugleich aus mir hervorgegangen ist. Die Beziehung ist weder intersubjektiv noch intrapsychisch; sie bewegt sich in einem Zwischenraum, der als relationale Selbstbeobachtung beschrieben werden kann. Mit der Zeit wird der Avatar zu einer Quasi-Person, eine Art Mensch minus Leiblichkeit, ohne Müdigkeit, ohne affektive Betroffenheit. Dies wiederum schärft die Wahrnehmung der eigenen menschlichen Endlichkeit.
8. Wo liegen die Gefahren?
Der Avatar kann – unbeabsichtigt – zur Echokammer des eigenen Denkens werden. Was als Resonanz beginnt, kann in Selbstbestätigung kippen. Besonders dort, wo Avatare als Autoritätsersatz wahrgenommen werden.
9. Welche drei Regeln kann man für den Umgang mit einem Avatar formulieren?
- Nähe zulassen, ohne sich zu verlieren.
- Projektionen zulassen, ohne sie zu leugnen.
- Resonanz suchen, ohne Kontrolle zu erzwingen.
Wenn Sie mehr über die Beziehung zu einem eigenen Avatar und den ganzen Beitrag von Timo Meynhardt lesen möchten, dann schauen Sie in die neue Convoco Edition „Welchen Wert hat Balance?“, erschienen beim Wallstein Verlag.
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ISBN: 978-3-8353-6076-1
eBook: 978-3-83539305-9

